Von Steve Upton/Chromix

Über das Thema Farbverwaltung wurde bereits viel gesagt und geschrieben. Viele Versuche wurden unternommen, zu erklären, worum es geht, wie es geht und was es bewirkt Wie in jeder Diskussion über EDV werden bei diesen Beschreibungen oft phantasievolle, neue Begriffe benutzt, die immer wieder zur Verwirrung und Abschreckung derjenigen führen, die wirklich verstehen wollen, worum es geht, wie es geht und was es eben bewirkt.

Ein denkbar einfaches und verblüffend einleuchtendes Beispiel liefert uns hier der Toaster.

Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf, gehen in die Küche, stecken ein Stück Brot in den Toaster und stellen den Toaster auf „4“ ein. Nach einer kurzen Weile springt ein getoastetes Stück Brot in einer bestimmten Farbe heraus... hoffentlich eine, die Ihnen gefällt. Wenn Sie jetzt rüber zum Nachbarn gehen und dort ein Stück in seinen Toaster stecken und dessen Toaster auf „4“ einstellen, erwarten Sie dann, dass diese Toastscheibe dieselbe Farbe hat?

Wohl kaum.

Und genau das ist unser Problem bei der Farbverwaltung. Die gleiche Toaster-Einstellung bedeutet nicht unbedingt die gleiche Farbe. So wie beim Toaster handelt es sich auch bei den RGB- und den CMYK-Werten lediglich um Einstellungen. Und genau wie beim Toast werden auch unterschiedliche Ergebnisse bei unterschiedlichen Geräten erzielt!

Wären Sie jetzt ein absoluter Toast-Freak, so würden Sie zum Test 10 Stücke Brot toasten, für jede Einstellung eins. Dann würden Sie alle der Reihe nach auf Ihren Küchentisch legen, sich die Brottüte nehmen und wieder zu Ihrem Nachbarn gehen. Sie würden sich bemühen, seinen erstaunten Gesichtsausdruck zu ignorieren und noch mal 10 Stücke Brot in dessen Toaster rösten. Dann nehmen Sie diese Stücke wieder mit nach Hause und plazieren sie auf Ihrem Küchentisch neben den Werken Ihres eigenen Toasters. Beim Durchblättern Ihres unabhängigen PantoneTM Toast-Handbuchs (*) würden Sie dann feststellen, dass „B“ tatsächlich die von Ihnen gewünschte Toast-Farbe ist. Sie würden das mit dem Regler Ihres Toasts vergleichen und sagen „Jawohl, bei Einstellung „4“ bekommt mein Toast die gewünschte Farbe“ – nachdem Sie bereits mehrmals verzweifelt den Rauch unter dem Rauchmelder in Ihrer Küche weggewedelt haben. Der Regler am Toaster Ihres vielleicht nunmehr völlig entnervtenNachbarn ergibt, dass hier die Einstellung „6“ das Brot so toastet, wie Sie es wünschen, und alles ist klar.

Das ist alles, worum es bei der Farbverwaltung im Prinzip geht. Sie überprüfen sorgfältig die Farbausgabe eines Geräts (Monitor, Drucker, Toaster oder was auch immer) und vergleichen das Ergebnis dann mit einem unabhängigen Handbuch für Farben. Im Falle des Toasts haben wir ein fiktives Toast-Handbuch verwendet.

.. im Falle des Computers bedienen wir uns des Lab-Farbraums. Lab ist ein volldreidimensionale Raum bestehend aus drei Koordinaten (L für Helligkeit und A und B für Farbinformationen). Das Wichtigste an Lab ist, dass es sich tatsächlich um Farbe handelt, d. h. eine Zahl steht für einen definierten Eindruck.

Lassen Sie uns das mit den Farben noch mal kurz auffrischen. Farbe ist ein Sinneseindruck, welcher durch das Zusammenspiel Ihrer Augen mit dem Gehirn als Antwort auf bestimmte Mischungen des Lichts erzeugt wird. Um Farbe empfinden zu können, benötigen Sie 1. Licht, 2. ein Objekt und 3. einen Betrachter, in unserem Fall ein menschlicher Betrachter. Ohne diese drei Komponenten können wir keine Farbe empfinden.

Wie bereits erwähnt, besteht Lab aus einer Reihe von Zahlen, die bestimmten, tatsächlichen Empfindungen zugeordnet werden. Jede Lab-Zahl wie 50, 23 oder 47 beschreibt, wie ein bestimmtes Muster bei einer Beleuchtung von 5000K (dieser Graphik-Standard wird in den meisten Beobachtungskabinen verwendet) und aus einer Standard-Entfernung (hier wird ein spezieller Punkt auf der Netzhaut gewählt) heraus für eine „durchschnittliche“ Person aussieht. Bereits im Jahre 1931 quälten Wissenschaftler 200 Versuchspersonen durch aufwendige Farbtests, um diese sogenannte „durchschnittliche“ Person zu ermitteln. Wir orientieren uns gerne an diesen Testergebnissen.

Zurück zum Toast.

Um aus verschiedenen Toastern dieselbe Farbe zu gewinnen, brauchen wir ein Muster von allen Farben, die dieser bescheidene Toaster zu produzieren imstande ist und diese mit einer unabhängigen Tabelle vergleichen. Diese Tabelle ist das Äquivalent zum ICC-Profil.

Um aus verschiedenen Geräten dieselbe Farbe zu gewinnen - und das ist ja im Grunde das, was wir wollen - müssen wir also von allen Farben, die das Gerät erzeugen kann, ein Muster nehmen und eine Tabelle erstellen, die die Geräteeinstellungen – z. Bsp. die eines Monitors – und die Farben, die er bei bestimmten Einstellungen erzeugt, konvertieren kann. Im Falle des Monitors schliessen wir also ein Gerät an den Monitor an und lassen dann eine Software laufen, die eine Reihe von Einstellungen durchläuft und überprüft – z. Bsp. Rot (255,0,0), Gelb (255,255,0), Grün (0,255,0) usw.. Bei jedem RGB-Wert liest die Software diesen Wert am Instrument ab und erhält eine bestimmte Lab-Farbe zurück. Nachdem eine lange Liste, die wirklich nur einem Computer zugemutet werden kann, durchlaufen ist, wird ein Profil für diesen Monitor erstellt.

Wollen wir dieselbe Farbe auch aus unserem Drucker erhalten, so müssen wir auch für den Drucker ein Profil erstellen. Hierbei wird dieselbe Technik angewandt. Wir senden eine Datei an den Drucker, welche eine lange Liste mit Einstellungen enthält, z. Bsp.: Cyan (100,0,0,0), Blau (100,100,0,0), Magenta (0,100,0,0) usw. Dann lesen wir jeden Fleck auf dem Papier ein, beispielsweise mit einem Eye-One, der Lab-Werte für jede entsprechende Serie von gesandten CMYK-Einstellungen liefert. Ein paar Rechnungen und der Computer erstellt ein Profil für Ihren Drucker.

Grossartig, sagen Sie, aber wie benutze ich das alles? Nun, das hängt davon ab, was Sie erreichen wollen.

Als gutes Beispiel nehmen wir einmal an, Sie möchten erreichen, dass die Datei, die Sie ausdrucken, der Datei entspricht, die Sie auf dem Bildschirm sehen. Die Datei auf dem Bildschirm ist per Definition in Monitor RGB und Sie müssen sie in Drucker CMYK konvertieren. Wenn Sie das Monitorprofil für die Datei anwenden, werden all diese Monitor RGB-Einstellungen, die es nur auf Ihrem Monitor gibt, in Lab konvertiert (Sie erinnern sich an den Toaster). Lab ist, wie Sie sich erinnern, Farbe. Jetzt können wir die Welt der gerätedefinierten Beschränkungen endlich hinter uns lassen und uns sinnvolleren Dingen zuwenden.

Die Lab-Werte können für jedes Profil angewandt werden, um die von Ihnen gewünschte Farbe zu erzielen. In diesem Fall möchten wir, das die Farbinformationen an Ihren Drucker geleitet wird. Wenn das Druckerprofil angewendet wird, formuliert es die korrekten CMYK-Einstellung für jede in ihrer Datei befindliche Farbe. Ein qualitativ gutes Profil leistet im Rahmen der Eigenschaften des Druckers hervorragende Arbeit beim Abgleich der Farben.